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Erweiterung der Anlagen

Die Besonderheit von Maria Bildstein sind die weitläufigen Grotten- und Kreuzweganlagen im Wald. Sie laden zum Verweilen oder zum Kraftholen an diesem Ort der Stille ein. Es sind Zeitzeugen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf der Kuppe des Oberen Buchbergs. Diese Kleinarchitekturen und ihre plastischen Darstellungen aus der Heils- und Heiligengeschichte finden in ihrer Zahl und Originalität in der ganzen Nordschweiz nichts Ähnliches und können, bei allen Unterschieden, nur noch mit den «Heiligen Bergen» des Barocks, den «Sacri Monti» am südlichen und östlichen Alpenrand, verglichen werden (Dr. Benno Schubiger).

Studienauftrag an zwei Kunstschaffende

Der Stiftungsrat hat beschlossen, zum 500-Jahr-Jubiläum diese Anlagen mit einem Werk der Gegenwartskunst zu erweitern und zu bereichern. Dadurch wird die Tradition ins Heute übertragen. Zur Erlangung eines Projekts beauftragte der Stiftungsrat, zusammen mit einem Fachgremium, die beiden Kunstschaffenden, Werner Naef, Steinbildhauer, Kaltbrunn und Marlies Pekarek, Künstlerin, St. Gallen, bis Ende April 2018 eine Studie auszuarbeiten.

Die Beurteilung wurde von folgenden Personen vorgenommen: Fachgremium: Ursula Badrutt, Leiterin Kulturförderung, St. Gallen, Irma Ineichen, Kunstmalerin, Luzern, Dr. Benno Schubiger, Kunsthistoriker, Redaktor des Jubiläumsbuches Maria Bildstein im Jahre 1979, Uznach/Basel, Herbert Oberholzer, Architekt BSA/SIA, Rapperswil, Architekt von diversen sakralen Bauten, und von den Vertretern des Stiftungsrates: Pater Adelrich Staub OSB, Wallfahrtspriester, Uznach, Dölf Widmer, Präsident, und Hansruedi Mullis, Präsident des Gremiums, Benken. Diesem Gremium fiel es schwer, aus zwei unterschiedlichen, interessanten Projekten zu wählen. Nach eingehender Beratung entschied es einstimmig für die Studie von Marlies Pekarek, Künstlerin, St.Gallen.

Maria im Paradiesgarten

Dazu schreibt Marlies Pekarek: «Meine Idee für die Erweiterung des Sacro Monte besteht darin, einen weiteren Ort der Marienverehrung sowie der Stille und des Gebets zu schaffen. Auf diesen Prämissen beruht ja die Geschichte von Maria Bildstein. Für dieses Waldstück plane ich die Anlage eines Mariengartens mit einer Skulptur «Madonna mit Kind» umrahmt von einem Ziergitter. Dieser Idee zugrunde liegt ein beliebtes Bildthema der Mariensymbolik; nämlich die Darstellung der Maria im Paradiesgarten oder der Maria im Hortus conclusus. Das traditionell in der Malerei zweidimensional dargestellte Motiv möchte ich dreidimensional umsetzen als Waldgarten mit einer Madonnenskulptur, umrahmt von Engeln in Form eines Ziergitters.»

Im Bewertungsbericht von Dr. Benno Schubiger wird unter anderem festgehalten: «Das Bewertungsgremium schätzt insbesondere die differenzierte Auseinandersetzung der Künstlerin bzw. ihres Vorschlags mit dem Ort, seiner Geschichte und der Bedeutung der Marienverehrung. Dazu kommt der poetische und empathische Umgang und die harmonische Einfügung in die bestehende Grotten-Landschaft. Geschätzt wird auch das Ineinandergreifen der verschiedenen Elemente von Marienfigur, Ummantelung, Bepflanzung. Mit Marlies Pekareks Vorschlag einer neuen Grotte zum 500-Jahr-Jubiläum wird der gewünschten Aktualisierung der Thematik mehrfach Rechnung getragen: Der Mystik im Sinne der spätmittelalterlichen Naturverbundenheit und der eigentlichen Marienverehrung wird Respekt gezollt, gleichzeitig aber findet eine Öffnung der Reflektion in neue Technologien und  Produktionsbedingungen statt. Fragen von Original und Kopie werden ebenso aufgegriffen wie jene von Kulturexport und Migration. Dies interessiert die Künstlerin in ihrem gesamten Schaffen nicht nur aus einer formalen, sondern auch aus einer inhaltlichen Sicht.»

Dieses Kunstwerk wird nun realisiert und die Grotten- und Stationsanlagen auf Maria Bildstein bereichern. Die Einweihung ist anlässlich der Jubiläumsfeier vom 8. September 2019 vorgesehen