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Aus dem Buch von Edgar Koller *

 

Der Anlass zur Entstehung des Wallfahrtsortes Maria Bildstein war ganz schlicht. Im Jahre 1519 trug Johann Heinrich Jud, der Meisterknecht im Damenstift Schänis, eine von ihm verehrte Marienstatue auf den Buchberg. Es ist nicht bekannt, was ihn zu dieser Tat bewog. Der Standort könnte darauf hinweisen, dass hier das einstige Klösterlein Bavinchova stand, auf das der Name Benken deutet. Oder er wollte es einfach auf dem sicheren Herrschaftsgebiet des Damenstiftes Schänis aufstellen. Die damalige Äbtissin des Stiftes liess einen steinernen Bildstock errichten, der heute noch in der Krypta der Marienkapelle in Ehren gehalten wird. Von da stammt auch der Name „Maria Bildstein“. Wohl zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Bildstöcklein kapellenartig überdacht. Im Lauf der Zeit war das kleine Marienbildnis verwittert und wurde zufällig durch eine Statuette des leidenden Heilandes an der Geisselsäule als neues Gnadenbild ersetzt. Um 1830 wurde ein Bethäuslein mit der Statuette und einem grossen Kruzifix errichtet. Im Jahre 1847 wurde der Grundstein für eine neue Kapelle zu Ehren „Unserer Lieben Frau vom Siege“ eingesegnet. In Paris war 1830 die Muttergottes erschienen und hatte veranlasst, dass eine Medaille zu Ehren ihrer unbefleckten Empfängnis geprägt würde („Wunderbare Medaille“). Der Pfarrer der Pfarrei „Notre Dame des Victoires“ förderte das dortige Marienheiligtum und errichtete eine Bruderschaft. Diese Idee wurde auch in Benken aufgenommen.

Im Jahre 1884 anerbot sich Dekan Hafner, auf dem Gebiete des Wallfahrtsgutes verschiedene Grotten anlegen zu lassen und von den umliegenden Pfarreien her auf den  verschiedenen Wegen nach Maria Bildstein Kreuzweg-Stationen zu erstellen. Italienische Arbeiter legten drei grosse Grotten an. Es handelte sich um die Lourdesgrotte, die Ölberg-Grotte und die Bethlehem-Grotte. Später wurden die Armenseelen-Grotte, die Grotten vom „Verlorenen Sohn“ und „Christus im Elend“, die Meinrads-Klause beim Priesterhaus, die St. Meinrad-Kapelle, die Grotte „Jesus im Kerker“ die Magdalena-Grotte gebaut. Seit 1936 fanden alle Jahre die Lourdes-Pilgertagungen statt. Jedes Mal wurde auf dem weiten Platz vor der Wallfahrtskirche eine Krankensegnung mit den in Lourdes selbst üblichen Anrufungen gehalten. Bis zu 3000 Pilger konnte man an den Tagungen der Lourdes-Pilger zählen. Am 15. Juni 1958 fand in Maria Bildstein die Gründungsversammlung des Lourdes-Pilgervereins Maria Bildstein und Umgebung statt, und am 5. Oktober gleichen Jahres hielten die Pfarreien des Gasterlandes im Hinblick auf das Jubiläumsjahre von Lourdes eine grosse Wallfahrt ab. Für das Jahr 1976 schätzt man die Zahl der Pilger auf rund 35'000. So schrieb P. Salzgeber 1979: „Wie selten an einer Stätte offenbart sich hier die Volksfrömmigkeit dieser Jahrhunderte und ganz besonders der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Votivbilder, die bis auf 1847 zurückgehen, weisen auf die vielen sichtbaren und verborgenen Wohltaten und Gnaden hin, die Maria durch ihre Fürbitte den hilfesuchenden Pilgern hier durch ihren göttlichen Sohn Jesus Christus vermittelt hat und auch weiterhin in reichem Masse vermitteln möge.“

Die 1884 erbaute Lourdesgrotte steht etwas abseits zwischen der V. und VI. Kreuzwegstation bei der Grotte „Christus im Elend“. Aus einer Felsennische grüsst die Unbefleckte Empfängnis. Vor der Grotte steht ein Altar. Aus drei Röhren fliesst Quellwasser. Gegenüber der Grotte wurde 1942 eine Kapelle zu Ehren der hl. Theresia vom Kinde Jesu errichtet.

(nach P. Dr. Joachim Salzgeber, Einsiedeln)

 


* Edgar Koller, «Lourdesandachtsstätten Schweiz und Lichtenstein»

 

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